Archiv für Juli 2011

Positives Beispiel über den Glauben an sich selbst

Eben lese ich bei MS Gateway einen interessanten Artikel über die kanadische Rockband Billy Talent und erfahre, dass deren Schlagzeuger Aaron Solowoniuk bereits seit über 15 Jahren an MS erkrankt ist. Faszinierend schildert er selbst dabei in einem offenen Brief an seine Fans, wie er mit der Diagnose umging:

Der erste Song auf unserem ersten Album heißt „This Is How It Goes“. Es ist ein Song über einen Freund von Ben, der Multiple Sklerose hat. Heute möchte ich Euch allen sagen, dass ich dieser Freund mit MS bin.

Es war im November 1997, ich hatte gerade einen neuen Job bei DaimlerChrysler angefangen, im Automobilbau der Modelle Intrepid, Concorde und 300M. Ich verdiente mehr Geld und hatte mehr Zeit für Gigs mit meiner Band Pezz. Mehrere Tage, nachdem ich den neuen Job angefangen hatte, spürte ich plötzlich eine merkwürdige Taubheit in den Beinen. Ich konnte nicht länger als fünf Minuten laufen, ohne dass meine Beine so schmerzten, dass ich mich hinsetzen musste. Ich dachte, das käme davon, dass der Job körperlich viel anstrengender war als mein letzter Job.

Nach monatelangen Untersuchungen sagte man mir, dass ich wahrscheinlich MS hätte, aber eine vollständige Diagnose könnte man erst stellen, wenn ich innerhalb der nächsten zwei Jahre weitere Symptome entwickeln würde.

Im November 1998 war die Taubheit in meinen Beinen verschwunden, sie kam jedoch wieder, sobald ich das Genick nach vorne beugte. Außerdem fühlte es sich dann an meinen Füßen immer an, als ob ich einen elektrischen Schlag bekäme. Nur einige Monate später, im Januar 1999, überfiel mich plötzlich ein heftiger Schmerz im linken Auge. Es fühlte sich an, als ob mir ein unsichtbarer Geist einen Boxhieb aufs Auge versetzen würde. Ich ging sofort zum Augenarzt, der mir sagte, es wäre eine optische Neuritis.

Als ich das meinem Neurologen berichtete, erfuhr ich, dass es sich um ein sehr typisches Symptom von MS-Patienten handelte und meine Erkrankung fortschritt. Er verschrieb mir ein Medikament. Ich sollte ab jetzt regelmäßig ein Medikament spritzen – und zwar für den Rest meines Lebens.

Ich stürmte aus der Praxis, ins Treppenhaus, dicht gefolgt von meiner Freundin. Dort weinten wir eine ganze Weile und gingen dann direkt zu meinen Eltern. In dieser schlimmen Zeit war es so ein Glück, meine Freundin, die heute meine Frau und Mutter unserer wundervollen Tochter ist, an meiner Seite zu haben.

Damit klarzukommen, dass ich mir für den Rest meines Lebens Spritzen setzen müsste, war schwer. Nachdem ich damit begonnen hatte, traten mehrere Nebenwirkungen auf. Ich fiel in eine tiefe Depression und begann eine Psychotherapie. Ich hatte das Gefühl, mein ganzes Leben ginge in die Brüche. Es war immer schon mein Traum gewesen, Schlagzeuger in einer Rockband zu sein, aber man hatte mir gesagt, ich sollte es „langsam angehen lassen“. Ich erinnere mich, wie ich in Gedanken „ja, klar“ sagte: keiner meiner Träume hatte sich verwirklicht und jetzt stand ich da und war unheilbar krank.

Die ersten eineinhalb Jahre waren wirklich hart, aber das neue Medikament begann zu wirken. Die MS Society of Canada half mir, gab mir alle nötigen Informationen und Hilfestellungen, um mein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Meine Symptome waren verschwunden, und wenn sie doch einmal wiederkamen, waren es nur kleine Rückschläge.

Wir änderten den Bandnamen von Pezz zu Billy Talent und schrieben weiter Musik. Wir brachten eine EP mit vier Songs heraus und bekamen einen Plattenvertrag. Ich kündigte meinen Job und konzentrierte mich ganz aufs Schlagzeugspielen.

Nachdem wir unser erstes Album aufgenommen hatten, war es Zeit, auf Tour zu gehen. Bei unserer ersten Albumtour ging es fünf Mal durch ganz Kanada, vier Mal durch Amerika, fünf Mal durch Deutschland, vier Mal durch Großbritannien und ein Wochenende nach Japan. Ich traf viele meiner musikalischen Idole und mit einigen von ihnen bin ich inzwischen sogar befreundet.

Ich erzähle euch das alles, um euch zu sagen, dass ich nicht zugelassen habe, dass etwas wie MS mich davon abhält, das zu werden, was ich werden wollte.

Bitte erzähle die Geschichte allen, von denen du glaubst, sie könnte ihnen helfen. Es gibt so viele junge und alte Menschen, die mit irgendeiner Krankheit kämpfen und denken, dass sie nicht gewinnen können. Aber man kann gewinnen, wenn man nur an sich glaubt.

Aaron


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